Unsichtbare Grenzen sind frustrierend und verunsichernd, weil man dann ja an diese Grenzen prallt und sich nicht mehr traut, zu bewegen. Folgende Geschichte soll das verdeutlichen.

Hunde sehen nicht besonders gut. Ich erinnere mich an Fanny, einen Hund, den wir sehr lieben und ab- und zu als Gast bei uns beherbergen, wenn seine echte Familie einmal keine Zeit für ihn hat. Bei uns in der Wohnung gibt es Glastüren. Nun ist vor Jahren einmal Fanny bei einer ihrer ersten Besuche voller Freude in die neue Umgebung losgelaufen und prompt an die eine Glastür zum Flur geprallt. Es hat einige Stunden gedauert, bis sie sich wieder getraut hat, sich frei und schnell mit Freude zu bewegen.

Durch diese Geschichte wird klar, wie blöd unsichtbare Grenzen sind. Nicht nur bei Hunden, sondern auch bei Menschen. Arbeiten wir also in einer Umgebung, in der es unsichtbare Grenzen und Hindernisse gibt, so führt das auch bei Menschen zu einer eher abwartenden und passiven Haltung. Die Freude an Beweglichkeit, an Agilität und die Freude, Entscheidungen selbst zu treffen, nimmt ab.

Mir fallen sofort zwei Kategorien ein, in denen es in solche Einschränkungen gibt. Die eine ist die oft vorherrschende katastrophale IT-Architektur, das zweite ist organisatorisch-hierarchische Willkür.

Unsichtbare Grenzen in der Software-Architektur:
In kaum einem Slogan drückt sich die aus schlechter Erfahrung geborene Angst vor Fehlern besser aus als in dem Satz "never change a running system". Veränderung könnte auf unverständliche und mysteriöse Art etwas kaputt machen, was gerade jetzt noch irgendwie funktioniert. Konkret könnte es das Deployment einer neuen Software-Version sein, der Betriebssystem-Upgrade des Ipads meiner Mutter oder der SOftware-Update auf dem Notebook von Susanne.

Unsichtbare Grenzen durch organisatorisch-hierarchische Willkür.
In agilen Organisationen gilt es, Entscheidungen so gut es geht auf die Arbeitsebene zu bringen. Häufig führt das zu Verunsicherungen im "klassischen Management". Und manchmal zu Situationen, in denen das klassisch geprägte Empire zurückschlägt. Ich habe einmal erlebt, wie ein Team sich entschied, einen Sprint von zwei Wochen im Büro einer agilen Dienstleisterfirma durchzuführen. Das erschien mir wohlüberlegt und ich mochte es, weil es einfach einmal etwas Neues war. Doch kurz vor dem besagten Sprint kam eine wichtige Managerin aus dem Urlaub zurück, fühlte sich nicht gefragt und fand die Idee schlecht und kassierte die Maßnahme kurzerhand ein. Für das Team war das eine Glaswand, gegen die sie prallten. Fazit: Nicht geklärte Delegation von Verantwortung und Mikromanagement sind unsichtbare Grenzen, die Mitarbeiter demotivieren und frustrieren.

Was nun tun:
Ganz einfach: Architektur in der IT braucht klare sichtbare Leitplanken, die von allen erkannt, verstanden und akzeptiert sind.
Und Organistationen brauchen ein ebenso klare, verstandene und akzeptierte Delegation von Verantwortung.
Und: Hunde und Glastüren vertragen sich nicht.