Für 2020 waren bereits erste Trainings gebucht und dann kam Corona. Also haben wir unsere Trainings auf Remote-Fähigkeit überprüft. Auch unsere Kundschaft reagierte schnell und zwar damit, remote-Trainings konkret nachzufragen.

Wir haben dabei eine Menge gelernt und möchten das mit euch teilen: In dieser Beitragsreihe schildert Sven die Herausforderungen und Learnings aus unseren ersten Remote-Trainings. Habt ihr Feedback? Teilt eure Gedanken mit uns : )

Teil 1:  "Anforderungen an Infrastrukturen im Homeoffice

Teil 2: ”Interaktionen und Ablauf

Teil 3: "Wichtigste Learnings"

Teil 2: ”Interaktionen und Ablauf”

Interaktion mit und unter den Teilnehmer:innen

Als erfahrener Trainer, der mit den Trainingsteilnehmer:innen in einem Raum ist, entwickelt man sehr schnell ein Gefühl für die einzelnen Menschen. Körpersprache, Mimik, Gestik, all dies erlaubt eine gute Einschätzung und man nimmt Veränderungen sehr schnell wahr. In einem Remote-Training fällt diese Wahrnehmung fast komplett weg. Du siehst in der Regel nur noch die Gesichter in recht kleinen Bildschirmausschnitten, d.h. als Trainer müssen wir andere Wege finden, ein Gefühl für die Teilnehmer:innen zu entwickeln.

Da wir bei kommitment sehr viel Wert darauf legen, die Teilnehmer:innen möglichst oft interaktiv am Training zu beteiligen und die Lerninhalte gleich ausprobieren zu lassen, sind wir sowieso andauernd im Kontakt mit den Teilnehmer:innen. Dadurch kommt gar nicht erst ein Vorlesungscharakter auf, der die oben beschriebene Herausforderung verstärken würde.

Für uns als Trainer:in ist es verwirrend, wenn ein Teilnehmende ihre Kamera abschalten, weil wir nicht wissen, ob der Mensch noch da ist. Daher vereinbaren wir zu Beginn, dass die Kamera während der Sessions eingeschaltet bleibt. Es ist dann völlig ok, wenn jemand mal aufsteht, um sich etwas zu trinken zu holen oder mal eben ein Paket entgegenzunehmen.

In den ersten Trainings bedauerten einige Teilnehmer:innen, dass der sonst übliche Pausenschnack an der Kaffeemaschine bei Remote-Trainings wegfällt. Selbstorganisiert wie sie waren, haben sie verabredet, dass sie in der nächsten Pause schon vor Pausenende vor die Kamera zurückkommen wollten, um noch ein wenig zu schnacken, bevor es weiterging. Das Ganze war natürlich völlig freiwillig, wurde aber so gut angenommen, dass wir es den Teilnehmern in den folgenden Trainings von Anfang an vorgeschlagen haben.

Zeitliche Struktur des Trainings

In Präsenzveranstaltungen hat man in der Regel viel Spielraum in der Pausengestaltung. Du kannst individuell reagieren, z.B. Pausen vorziehen, wenn Unruhe entsteht oder die Session auch mal verlängern, um ein Thema zu Ende zu bringen. Bewegung entsteht allein dadurch, dass man sich in einem Raum befindet und jeder kurz mal aufstehen kann, um sich ein frisches Getränk zu holen.

In einem Remote-Training ist das nicht so einfach. Wie schon im Abschnitt “Interaktion mit und unter den Teilnehmer:innen” beschrieben, bekommst du als Trainer viel weniger von den Menschen mit und das Umfeld jede:r Einzelnen ist sehr individuell. Daher ist es zum einen sehr wichtig, eine verlässliche zeitliche Struktur zu schaffen, an der sich alle orientieren können. Angesetzte Pausen sollten (mit gewissen kleinen Spielräumen) auch eingehalten werden, damit umfeldbedingte Tätigkeiten auch wahrgenommen werden können (“In 10 Minuten kann ich dir bei den Hausaufgaben helfen, ok?”).

Zum anderen ist langes Sitzen vor dem Rechner bei gleichzeitigem Starren in den Monitor und konzentriertem Aufpassen sowohl für die Teilnehmer:innen als auch für die Trainer sehr viel anstrengender als man denken mag. Aus diesem Grund fordern wir unsere Teilnehmer:innen auch aktiv auf, in den Pausen vom Rechner aufzustehen, sich zu bewegen und etwas komplett Anderes zu machen. Nicht alle halten sich jedoch daran, manchmal werden halt doch Mails gelesen oder es wird telefoniert, aber wir bieten zumindest die Möglichkeit, sich regelmäßig zu bewegen. Wir planen unsere Trainings mit 60-minütigen Sessions und 15 Minuten Bewegungspause.

Unsere bewährte zeitliche Struktur für einen Trainingstag sieht folgendermaßen aus:

Eine sehr interessante Beobachtung möchten wir an dieser Stelle noch teilen: Auch wenn du in Präsenz-Trainings deutlich sagst, wann die Pause zuende ist und die nächste Session beginnt, sind oft nur zwei bis drei Teilnehmer pünktlich. Der Rest muss sich noch eben einen neuen Kaffee zapfen, ein Telefonat zu Ende bringen oder das interessante Pausengespräch auf die nächste Pause verschieben. Interessanterweise beobachten wir bei Remote-Trainings das genaue Gegenteil: Wenn überhaupt jemand unpünktlich ist, dann sind es höchstens ein oder zwei Personen, die sich aber auch nicht wesentlich verspäten. Meistens ist es eher so, dass die Teilnehmer ein bis zwei Minuten vor der vereinbarten Zeit zurück sind.

Übungen

Bei unseren ersten Überlegungen zu Remote-Trainings haben wir uns gefragt, wie wir all die interaktiven Elemente, die unsere Präsenztrainings ausmachen, in ein Remote-Training übertragen sollten. Je mehr wir uns aber mit der Thematik beschäftigten, desto beeindruckter waren wir, was digital alles möglich ist. Viele Übungen waren ohne allzu großen Aufwand (meist in Miro) abbildbar und die wenigen, die wir nicht einfach gleichwertig übertragen konnten, haben wir durch teilweise sogar noch bessere Übungen ersetzen können.

Beispielsweise haben wir Spielkarten für das Lean Workflow Design Game digitalisiert, in Miro importiert und virtuelle Spielfelder gebaut. "Das Auge Saurons", das physische Interaktion zwischen den Teilnehmer voraussetzt, haben wir durch "Summer Meadows" ersetzt und auch einen entsprechenden Frame in Miro erstellt. Auf diese Weise haben wir uns letzten Endes ein hybrides Übungsinventar geschaffen, das wir in beliebigen Trainingssituationen nutzen können.

Hier geht es zu den anderen Teilen unserer kleinen Serie:

"Teil 1:  "Anforderungen an Infrastrukturen im Homeoffice"

"Teil 3: "Wichtigste Learnings"